Maschinenrichtlinie

Die neue EU-Maschinenverordnung

Welche Veränderung ist mit der neuen Maschinenverordnung zu erwarten

Am 21. Juni 2022 hat der Rat einen überarbeiteten Entwurf der Maschinenverordnung veröffentlicht und im Moment befindet sich jetzt ein Kompromisstext im Trilog mit EU-Parlament, Rat und Kommission bis Ende 2022.

Um auch weiterhin die Sicherheit und Gesundheit von Verbrauchern, aber auch Benutzern von Maschinen gewährleisten zu können, soll eine neue EU-Maschinenverordnung die aktuelle Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ablösen.

2018 fand eine Auswertung der Kommission statt mit dem Ziel, die Anwendbarkeit, Relevanz und Aktualität der Richtlinie zu überprüfen. Das Ergebnis war positiv, d.h. dass die Maschinenrichtlinie wirksam, effizient und relevant ist, sowie technologische Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung möglich macht. Aber es wurde festgestellt, dass die Maschinenrichtlinie an den NLF (New Legislative Framework) angepasst werden muss. Die Anwendbarkeit von Künstlicher Intelligenz (KI) zu fördern sowie die Herausforderungen von Cybersecurity abzudecken wurde ebenfalls als Ziel definiert. Des Weiteren kam die Betrachtung von neuen Risiken in Zusammenhang mit digitalen Technologien hinzu, sowie die Bewertung von sogenannten Hochrisiko-Maschinen.

Neu ist jetzt ebenfalls, dass es sich um eine Verordnung handelt, die nach der Verabschiedung die Bestimmungen der Verordnungen in unmittelbares Recht in den Mitgliedsstaaten umsetzt. (Im Gegensatz zu einer Richtlinie, mit der in den einzelnen Mitgliedsstaaten durch rechtliche Vorschriften dies erst wirksam gemacht werden muss.)

Es wird erwartet, dass die Verabschiedung der neuen Maschinenverordnung im 1. Quartal bzw.im 2. Quartal 2023 stattfindet.

Welche Veränderung ist mit der neuen Maschinenverordnung zu erwarten:

Durch die Anpassung an den NLF soll die Maschinenverordnung mehr Klarheit schaffen. Im Anhang I des Verordnungsentwurfs werden sogenannte “Hochrisiko-Maschinen” definiert. (Wobei aktuell nur noch von „Anhang I – Produkten“ gesprochen wird.) Darin soll es nach aktuellem Diskussionsstand einen Teil A geben mit Maschinen, bei denen in der Regel eine Drittstelle (Benannte Stelle) im Konformitätsbewertungsverfahren verpflichtend hinzuzuziehen ist und einen Teil B für Produkte, die nach wie vor der Hersteller (z.B. mit Modul A) ohne Drittstelle bewerten kann, wenn harmonisierte Normen vollständig eingehalten werden. Die Liste dieser Produkte, welche als potenziell risikoreich gelten, sollen künftig von der EU-Kommission durch delegierte Rechtsakte (dynamisch) aktualisiert werden können.

Neu wurden auch durch die Kommission die Inhalte der technischen Unterlagen angepasst sowie die Liste der Sicherheitsbauteile ergänzt. Eine digitale Konformitätserklärung und eine digitale Betriebsanleitung (z.B. auch mit Internetadresse zum Downloaden, evtl. sogar für mindestens 10 Jahre) sollen möglich werden. (Trotzdem soll eine kostenlose Papierversion weiterhin möglich sein.)

Bei wesentlicher Veränderung einer Maschine (in der Begriffsbestimmung genauer definiert) wird außerdem derjenige, der die Maschine modifiziert, zum Hersteller und muss die entsprechenden Verpflichtungen einhalten (Konformitätsbewertungsverfahren). Die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen für Maschinen werden nun in Anhang III geregelt (bisher Anhang I). Sie enthalten neuerdings auch Vorgaben für die Cybersicherheit von Maschinen und Vorgaben für die Auslegung der Steuerung, die KI nutzen. Der Fokus dieser neuen Anforderungen ist nicht die Cybersicherheit bzw. KI insgesamt, sondern lediglich mögliche Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit.

Welche Produktbereiche fallen unter die Maschinenverordnung?

Die Maschinenverordnung umfasst wie auch bisher die Maschinenrichtlinie, den gesamten Bereich der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie. Sie bezieht sich auf alle Maschinenprodukte, die neu auf den Unionsmarkt in Verkehr gebracht werden, einschließlich Maschinenprodukte, die aus Drittländern (außerhalb der EU) kommen. Ebenfalls wie schon in der Maschinenrichtlinie, wird zwischen Maschinen, verwandten Produkten (z.B. austauschbares Equipment, Sicherheitskomponenten, Ketten, Seile, Bänder, Hebezubehör, abnehmbare mechanische Übertragungsvorrichtungen, usw.) und unvollständigen Maschinen unterschieden und sie alle werden von der neuen Verordnung erfasst.

Die Verordnung zielt auf Risiken ab, die sich aus der Maschinenfunktion und nicht aus der Beförderung von Gütern oder Personen ergeben. Damit erfasst sie eigentlich auch keine Fahrzeuge, deren einziger Zweck die Beförderung von Gütern oder Personen im Verkehr ist. Maschinen, die sich auf Fahrzeugen befinden (z.B. Gabelstapler, Hebebühnen, usw.), sind jedoch in der Verordnung weiterhin erfasst. Im Entwurf sind auch Leichtelektrofahrzeuge wie Elektroroller, kleine Privatfahrzeuge und Elek­trofahrräder nicht ausgeschlossen, da sie stark verbreitet sind und für Verwender möglicherweise auch eine Gefahr darstellen könnten.

Im Allgemeinen ist zu erwarten, dass die rechtliche Sicherheit sich vor allem positiv auf die KMUs (Kleine und mittlere Unternehmen) auswirkt, die im Wesentlichen den Maschinenbausektor ausmachen. KMUs haben oft weniger Ressourcen, um die rechtliche Lage zu prüfen. Klare, harmonisierte Standards vereinfachen es daher, die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

Hinweis zur Änderung für Unternehmen

Unternehmen sollten sich rechtzeitig über Änderungen zur aktuellen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG informieren. Nur wer nach Ablauf der Übergangsfrist die entsprechenden Anforderungen erfüllt, darf seine Maschinen weiter in der EU in Verkehr bringen. Dies ist wichtig für alle Wirtschaftsakteure, d.h. Hersteller, Einführer und (Online)-Händler, sowie ggf. für Bevollmächtigte der Hersteller.Informieren Sie sich daher frühzeitig und kommen Sie zu unseren Seminaren rund um die Maschinensicherheit. Es lohnt sich, genau zu prüfen, wieweit die eigenen Produkte von den Änderungen durch die neue Verordnung betroffen sein werden

Seminare rund um das Thema Sicherheit

CE-​Kennzeichnung im Maschinen-​ und Anlagenbau

Im Seminar erhalten Sie einen Überblick der relevanten EG-Richtlinien zur Erfüllung der Produktsicherheit. Anhand von Übungen und Beispielen erfahren Sie die praktische Vorgehensweise zur Erfüllung der gesetzeskonformen CE-Kennzeichnung und Konformitätsbewertung.

Zum Seminar

Sicherheit in der Pneumatik und Elektropneumatik für die Konstruktion

Nach diesem Seminar verstehen die Teilnehmer das Zusammenspiel von pneumatischen und elektrischen Komponenten, können das Verhalten pneumatischer Antriebe einschätzen und sind in der Lage, sicherheitsgerichtete Schaltungen bis zur Steuerungskategorie 4 zu entwerfen.

Zum Seminar
Online
Präsenz

Sicherheitsschaltungen berechnen − Software SISTEMA

Nach diesem Seminar können die Teilnehmer die Komponenten einer Sicherheitsschaltung bestimmen und mit der Software SISTEMA den Performance Level dieser Schaltung errechnen. Sie verstehen den qualitativen Aspekt der EN ISO 13 849-1.

Zum Seminar
Online
Präsenz

Risikobeurteilung und sichere mechanische Konstruktion

Die Teilnehmer können nach diesem Seminar eine Risikobeurteilung und Risikominderung entsprechend EN ISO 12 100 durchführen. Sie kennen relevante Normen und verfügen über weiteres Wissen, das zu einer sicheren mechanischen Konstruktion von Maschinen nötig ist, und setzen dieses erfolgreich ein.

Zum Seminar
Online
Präsenz

Kontakt
seminare@festo.com I training.festo-didactic.com